Weltweit

Weinanbau in China

Stehe ich vor einem Weinregal, suche ich üblicherweise nach kalifornischen oder chilenischen Sorten. Wahrscheinlich würde niemand nach chinesischen Weinen suchen, geschweige Wein mit China in Verbindung bringen. Womöglich hat das auch einen guten Grund.

© Elizabeth Willoughby

© Elizabeth Willoughby

 

Tatsächlich gibt es Weingüter in China, die Qualität der produzierten Weine ist aber wohl unterdurchschnittlich. Das zumindestens meint Kay Liu, Firmengründerin von SEVENg in Shanghai. Sie importiert Weine nach China, für den Export ist die chinesische Weinproduktion noch nicht reif.

Doch Kay Liu hat mit einer ganz anderen Hürde zu kämpfen – der chinesischen Trinkkultur.

Normalerweise läuft das Trinken in China in etwa so ab:

  1. Der Toast: „Ganbei!“ („Trockne dein Glass!“)
  2. Der Schnaps wird auf ex getrunken
  3. Zeige, dass dein Glas leer ist
  4. Wiederhole die Schritte 1 bis 3
  5. Wiederhole die Schritte 1 bis 3

Offensichtlich funktioniert dieses Trinkritual nicht bei Wein.

© Elizabeth Willoughby

Kay Liu, © Elizabeth Willoughby

Ich habe mir sagen lassen, dass Chinesen nur Wein bestellen um allen zu zeigen, dass sie es sich leisten können. Tatsächlich beobachte ich vier Gäste des The House of Roosevelt’s Sky Restaurant wie sie ihren Tisch verlassen, darauf vier unberührte Gläser mit Wein.

„Vor nicht einmal zehn Jahren konnte kein Chinese guten von schlechten Wein unterscheiden“, meint Kay. „Importeure haben das ausgenutzt und Billigwein teuer verkauft. Das macht es schwierig guten Wein zu einem vernünftigen Preis am Markt zu etablieren.“

Aber langsam ändern sich die Zeiten. Als der Parteivorsitzende Xi Jinping beobachtet wurde wie er zu seinem Essen Wein trank, war es für viele Chinesen die Initialzündung sich intensiver mit Wein zu beschäftigen. Jetzt werden Weinverkostungen angeboten, die neuen Reichen sind Mitglieder in Weinclubs und einige internationale Unternehmen haben sogar ihre Business Management Kurse mit Weinlehrgänge ergänzt.

In diesem neuen, aufstrebenden Markt von Weinkonsumenten sah Kay ihre Gelegenheit. Praktische Erfahrungen im Marketing und des Importhandels sammelte sie bereits bei Silenus Estate Winery in Nappa Valley und bei der Kerry Group. November 2014 war es soweit mit der Gründung von SEVENg von diesem Wissen zu profitieren. Ohne Zwischen- und Großhandel verbindet die SEVENg-Plattform die Weinhersteller direkt mit den Privatkunden, Luxushotels und Restaurants in China.

SEVENg steht für ein Wordspiel (Qi = sieben, Qig (7+g) = Wunder), ein „Wunder“, dass Kay mit ihrer Weinallianz wahrmachen will. Aktuell sind kleinere Weingüter, wie B Cellars in Napa Valley, Solà Classic und Sumarroca in Spanien sowie Bolla in Italien Partner von SEVENg.

© Elizabeth Willoughby

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Währenddessen arbeiten die chinesischen Weingüter mühsam weiter an der Verbesserung ihrer Weinkreationen. Auch der von Kay Liu’s Vater produzierte Wein ist weit vom ihrem importierten Qualitätswein entfernt. Vor fünf Jahren präsentierte ihm Kay ausländischen Wein als Alternative zu seinem „chinesischen Wasser“. Daraufhin verwandelte er seinen Trauben- in einen Hobby-Weingarten. „Er lernt noch“, meint Kay. „Es ist immer noch Traubensaft und kein Wein.“ Noch nicht.

Originaltext von Elizabeth Willoughby.
Übersetzt aus dem Englischen von Jörg Gürster.